Erreichbarkeit auf der Toilette - Grenzen werden überschritten

19.05.2015 10:00 von Trendbad24-Blog

Anrufe auf dem Klo

Die Tochter vor der Klassenarbeit noch aus der Küche heraus instruieren, Aktien aus der Dusche heraus kaufen- die Erreichbarkeit und ständige Verfügbarkeit scheinen heute fast grenzenlos. Sogar auf dem sonst stillen Örtchen sind die Deutschen zunehmend zur Kommunikation bereit. Doch hat dieser Trend noch etwas mit Respekt und Taktgefühl zu tun?

Immer öfter erreichbar

Rund 36% der erwachsenen Handynutzer sind inzwischen fast rund um die Uhr erreichbar. Egal ob Dusche, Toilette oder Badewanne. Das ist das Ergebnis einer Studie der Stiftung Internet. 3.000 Menschen wurden zu ihrem Verhalten am und mit dem Handy befragt. Wo das Gespräch entgegengenommen wird, macht für viele keinen Unterschied mehr. Jeder 6. Nutzer greift sogar auf der Toilette zum Hörer. In der Gruppe der 18 bis 29-jährigen ist sogar jeder Vierte auf dem Klo zum Smalltalk am Telefon bereit. Und wer weiß, wie viele Broker Aktien in der Duschkabine kaufen.

Keine Schamgefühl mehr - Intimsphäre leidet

Was früher noch als absolute Tabuzone galt, steht inzwischen als moderne Telefonzelle scheinbar nicht mehr zur Debatte. Derjenige, der auf dem Örtchen telefoniert, stellt aber gar nicht in Frage, ob der Anrufer überhaupt wissen möchte, dass er seinen Gesprächspartner gerade beim Geschäft begleitet. Nun ist es vielleicht unter Frauen seit Menschengedenken Gang und Gäbe, mindestens zu zweit auf das Klo zu gehen. Das ist aber immer eine Face to Face-Entscheidung.

Bei Anrufen auf dem Handy kann der Anrufer ja nicht sehen, ob er den Angerufenen gerade beim Gang zum Lokus erwischt. Er kann von sich aus also nicht entscheiden, ob er "mitgeht" oder lieber am Tresen wartet. Auch wenn der Angerufene vielleicht keine Probleme mit der Preisgabe seiner aktuellen Geschäfte hat, sollte die Schamgrenze des anderen respektiert werden. Eine Hilfe dazu ist die Funktion "Gespräch abweisen".

Toilette als Informationsort

Gerade auf öffentlichen Toiletten sind links und rechts meist unbekannte Mithörer. Auch diese wollen nicht unbedingt den neuesten Tratsch über Freunde und Bekannte des Sitznachbarn erfahren. Doch gerade auch hier sollte der Angerufene bedenken, dass er nicht sehen kann, wer mithört. Schnell sind an diesem Ort Firmengeheimnisse und Kundendaten weitergegeben, ohne dass der eigentliche Geheimnisträger mitbekommen hat, wer von der anderen Seite gelauscht hat - möglicherweise sitzt auch mal der Chef nebenan.

Silencio - nicht nur in der Sixtinischen Kapelle

Wer schon mal den Vatikan besucht hat, kennt die Ermahnungen: Silencio - Ruhe bitte! Diese sollte auch für das stille Örtchen gelten - es heißt eben nicht umsonst so.

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