Interview mit Innenarchitekt und Badprofi Christian Wadsack

13.03.2017 14:28 von Trendbad24-Blog

Innenarchitekt Badezimmer planen

Dipl.-Ing. Christian Wadsack ist seit 1995 selbstständiger Innenarchitekt. Gemeinsam mit Ehefrau Anne Hofmann betreibt er das Büro „ho.w – HOFMANN + WADSACK INNENARCHITEKTUR“. Nebenbei ist der gebürtige Hamburger Trainer und Seminarleiter zu den Themen Badgestaltung und Badarchitektur und kann auf einen 15-jährigen Lehrauftrag an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe im Studiengang Innenarchitektur zurückblicken.

Badezimmer planen, die zum Nutzer und der Architektur passen

Trendbad24: Herr Wadsack, abgesehen davon, dass immer das aktuelle Projekt das spannendste ist, gibt es ein besonderes Projekt, das sie umgesetzt haben?
Christian Wadsack: Ja, sehr viele. Eigentlich alle. Jedes Projekt ist einzigartig und immer wieder neu. Individuell zugeschnitten auf die Wünsche, Bedürfnisse und das Budget des Nutzers – und natürlich auf die jeweilige Architektur. Herausregend war vielleicht eine schlossähnliche Villa in Holland mit einem Bad für rund 100.000 Euro. So ein Projekt ist schon etwas Besonderes.

Trendbad24: Was machen Sie als Innenarchitekt anders, als beispielsweise ein Badplaner oder Architekt, der ein Badezimmer plant?
Christian Wadsack: Der Innenarchitekten plant von Innen nach Außen, also genau entgegengesetzt zum Architekten. Wir beschäftigen uns mit den Menschen und deren Lebensgewohnheiten und optimieren die Räume in Größe, Proportion, Anordnung zueinander und der Ausstattung, so dass sie den Wünschen und Bedürfnissen des Nutzers entsprechen. Daher denken wir beim Bad nicht nur an technische Umsetzbarkeit und die Auswahl des sanitären Produktes, sondern strukturieren den Raum, gliedern ihn und schaffen „Architektur“ im Innenraum. Man spricht auch vom raumbildenden Ausbau. Ausbau ist auch das Zauberwort: Im Ausbau fügen sich die Elemente zusammen, bei der Ausstattung wird nur ergänzt und reingestellt.

Honorar für den Innenarchitekten ins Budget einplanen

Innenarchitekt Christian WadsackTrendbad24: Ein heikler Punkt ist ja immer das Geld. Was muss ein potenzieller Kunde für ein vom Profi geplantes Badezimmer anlegen?
Christian Wadsack: Ein Bad in der Sanierung kostet so viel wie ein Neuwagen. Je nach Kategorie und Preisklasse: Die beiden gefühlten Werte sind schon durchaus miteinander vergleichbar. Ein Innenarchitekt kostet – wenn er alles von A bis Z entwirft, plant und leitet – in der Summe rund 20 bis 25 Prozent der Baukosten obendrauf. Das genaue Honorar wird durch die sogenannte HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) geregelt. Allerdings wird das beim Bad häufig gestaffelt und ist abhängig davon, wer eigentlich den Auftrag bekommt. Bei einem Generalunternehmen, das selbst die Ausführungsdetails entwickelt und die Bauausführung über alle Gewerke leitet, ist nur der Entwurf vom Innenarchitekten gefragt. Dann belaufen sich die Kosten auf nur noch 7 Prozent der Bausumme. Allerdings sollte man bei Investition wie ein neues Badezimmer immer in einen Innenarchitekten investieren – das lohnt sich immer!

Trendbad24: Herr Wadsack, was wird konkret „besser“ durch die Planung eines Badezimmers durch den Innenarchitekten?
Christian Wadsack: Es wird nicht an Details gebastelt, sondern umfassend nachgedacht und alle Komponenten berücksichtigt. Es ist immer schade, wenn ohne eine kompetente Planung am Ende beispielsweise an die Standardposition an der Zimmerdecke eine Leuchte angeschraubt wird und die Atmosphäre im Raum an eine Abstellkammer erinnert.

Trendbad24: Was unterscheidet die Arbeit eines Innenarchitekten beim Badezimmer im Gegensatz zu anderen Räumen?
Christian Wadsack: Generell kann man sagen, das Bad ist der komplexeste Raum im gesamten Gebäude. Hier kommen die meisten Gewerke auf der kleinsten Fläche zusammen und wollen koordiniert werden. Auch ist das Bad proportional in Quadratmeter umgerechnet mit Abstand am teuersten.

Trendbad24: Herr Wadsack, wie gehen Sie an so ein Projekt wie ein privates Badezimmer heran? Was ist bei diesem Thema besonders wichtig?
Christian Wadsack: Die Abstimmung mit dem Bauherrn ist einer der wichtigsten Punkte. Zu Beginn wird in einem 2 bis 3 stündigen Gespräch abgeklärt, was der Kunde eigentlich möchte. Dazu werden viele persönliche, teils intime Details erörtert. Was erwartet der Nutzer von der Dusche? Was für ein „Duschgefühl“ möchte er haben? Wie groß soll der Duschkopf sein? Welche Staumöglichkeiten benötigt er am Waschtisch und jede Menge anderer Details müssen genau geklärt werden. Besonders wichtig ist auch zukunftsorientiertes Denken! Ein Badezimmer wird nicht in 5 Jahren wieder ausgebaut und neu eingerichtet. Wir reden hier schnell über einen Nutzungsdauer von 20 Jahren. Somit ist es wichtig zu versuchen, einen Blick in die Zukunft zu wagen. Gerade bei älteren Badnutzern ist die Benutzbarkeit im Alter ein sehr wichtiges Thema. Dafür wird in der Regel Platz benötigt, der meistens nicht von vornherein vorhanden ist. Da sind dann alternative Lösungen gefragt. Je besser wir unseren Kunden kennenlernen können und um seine Vorlieben und Gewohnheiten Bescheid wissen, desto besser können wir planen. Für uns zählt die Lösung. Die Ausstattung wird dann auf die Lösung abgestimmt.

Trendbad24: Herr Wadsack, vielen Dank für das Gespräch.

Mehr Infos

ho.w – HOFMANN + WADSACK INNENARCHITEKTUR
Tel. 0 57 31 - 496 14 32
www.hofmann-wadsack.de

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