„Oase der Sinne“: Bad-Designer Torsten Müller im Interview

16.09.2015 11:20 von Trendbad24-Blog

Torsten MüllerTorsten Müller ist ein bekannter Designer für luxuriöse Bäder und SPAs. Darüber hinaus ist er auch als Sprecher auf Messen, Kolumnist und im Hersteller-Consulting tätig. In unserem Interview beschreibt er einleuchtend seine Vorstellung eines modernen Bades – und setzt sich leidenschaftlich für eine bessere Ausbildung im Bereich des Baddesigns ein.

Trendbad24: Herr Müller, Sie sind bekannter Bad/SPA- und Raum-Designer. Was ist Ihr Antrieb, um diesen Beruf auszuüben?

Mein Weg zum Design hat eine besondere Geschichte. Als gelernter Gas- und Wasserinstallateur (heutige Anlagenmechaniker/innen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik) habe ich danach die Meisterschule besucht. Der tiefe Fall kam, als ich in der Branche mit Bauträgern arbeitete und dann die Schluss-Zahlungen von 10 Einfamilien-Häusern nicht mehr kamen.

Ich musste mir dann überlegen: Was kannst du jetzt tun, wo hast du etwas, was viele Andere nicht haben? Es war die Begeisterung für exquisites Design. Mit der Zeit wurde mir auch klar, dass Wasser noch eine andere Aufgabe hat, als mir bis dahin bewusst war. Wir beginnen und beenden den Tag im Bad. Heute bin ich auf dem Standpunkt zu sagen: „Wir reinigen uns nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich.“

Trendbad24: Ein Platz für die innerliche und äußerliche Reinigung – ist deshalb das Bad für Sie der wichtigste Ort im Haus?

Ja, das Bad ist aus meiner Sicht der energetischste Raum im ganzen Haus. Auf der einen Seite begibt man sich daraufhin auf die Suche nach Dingen wie Feng Shui, Vasati, die vedische Baukunst, sowie anderen Stilen. Aber auch der deutsche Bauer wusste früher, warum die Kühe unter seinem Schlafzimmer hausen sollten: weil sie Wärme abgeben. Für solche Wahrnehmungen, für einen solchen „Rückgriff zur Natur“ fehlt uns heute die Sensibilität. Jedes Kind kann heute ein Telefon bedienen, jedoch weiß es nicht, wie aus einem Samenkorn eine Blume entsteht.

Früher dachte ich, dass alles immer höher, weiter, schneller gehen soll. Heute kümmere ich mich um das Gegenteil: das Leben entschleunigen. Und das ist auch das Bedürfnis meiner Kunden.

Torsten Müller Bad 01

Trendbad24: Ist das auch ein Grund, weshalb Sie ursprüngliche Materialien verwenden?

In erster Linie muss das Ganze bedingungslos zum Nutzer passen! Seine Sehnsüchte müssen im Konzept widergespiegelt werden. Es nützt niemanden, ihm ein „Private Spa“ aufzuzwingen, nur weil es gerade en Vogue ist.

In meinen Beratungsgesprächen geht es in erster Linie darum, den Kunden zu fragen: Welches Baddesign willst du eigentlich? Dann schicke ich den Kunden nach Hause und er fängt quasi das erste Mal an, wirklich über seine eigene Badarchitektur nachzudenken. Oft hat er sich schon informiert, hat sich vieles angeschaut, aber im Gespräch kommt er dann auf ganz andere Ideen.

Trendbad24: Sie gehen also eher auf die Wünsche der Kunden ein, als ihm aktuelle Trends zu verkaufen?

Es ist natürlich typenabhängig. Wichtig ist mir, dass jeder seinen individuell abgestimmten Wohlfühlraum, seine „Oase der Sinne“ erhält. Wenn jemand sagt: Herr Müller, das ist der Raum, das ist ihr Budget – machen Sie mal! Dann ist er bei mir unpassend, dann sollte er zu einem Kollegen gehen.

Das Bad unterliegt aber auch modischen Trends. Seien es Brauntöne, die ins eisenoxid-schwarz gehen oder die Weißtöne, die nun champagnerkreideweiß geworden sind – das ist alles schon einmal da gewesen. Aktuelle Trends bekommen Sie natürlich nicht nur hier in Deutschland zu sehen, sondern dazu geht es nach Bologna, Mailand oder Paris und ganz zum Schluss erst nach Frankfurt. Das Who ist Who der Branche trifft sich alle 2 Jahre auf der Salon de Bagno in Italien, da wird ein Feuerwerk der Sinne gezündet und die neuesten Trends werden präsentiert.

Trendbad24: Lassen sich denn immer alle Kundenwünsche erfüllen? Oder raten Sie auch schon einmal von bestimmten Ausführungen ab?

Früher habe ich gewisse Dinge abgelehnt, aber dadurch auch Klientel verloren. Heute sage ich dem Kunden – bevor es an die konkrete Planung geht – fairerweise dreimal: Ich würde das so nicht tun! Beim vierten Mal mache ich es dann so, wie er es gerne haben möchte. Er soll schließlich bekommen, was er haben will.

Nichtsdestoweniger versuche ich den Kunden während der Entscheidungsphase zu lenken, aus diesem Grund ist er ja auch zu mir gekommen. Nur wenn es um Pfusch oder Ungesetzliches gehen würde, führen wir die Arbeiten nicht aus.

Torsten Müller Bad 03

Trendbad24: Wenn es um Duschen im Bad geht: Welche aktuellen Entwicklungen sehen Sie dort?

Bei entsprechender Raumgröße sollte die Dusche 1,40 x 1,40 Meter groß sein. Eine großzügige Bewegungsfreiheit ist so gegeben oder man kann zu zweit duschen. Kleiner sollte die Dusche nicht mehr sein. Eine beheizte Sitzbank entsprechend in Szene gesetzt, ist ein tolles Highlight und schließlich habe ich noch niemanden kennen gelernt, der jünger geworden ist.

Ausdrücke wie „barrierefrei“ oder „Best Ager“ klingen fehl am Platz und keiner will sie hören. Das kann man auch feiner ausdrücken. Alle meine Bäder sind barrierefrei – jedoch werden sie so nicht erscheinen. Heutzutage gibt es natürlich Duschelemente mit Relaxmodus, für die Badewanne gibt es Zusätze, Düfte und vieles mehr, um sich zu entspannen.

Trendbad24: Es ist also auch eine Sache des sprachlichen Ausdrucks, ob man das Bad als „barrierefrei“ oder „für ältere Menschen“ bezeichnet – oder ob es einfach keine Barrieren hat und trotzdem schön erscheint.

Ja, solche Ausdrücke können das Verkaufsgespräch zunichte machen. Ich halte ja auch Vorträge auf Messen, bin im Consulting-Bereich tätig und betreibe Hersteller-Coaching. Was früher Relevanz bei der Einrichtung des Bades hatte, hat heute keine mehr. Wir haben heute etwa das Problem, dass die Menschen größer geworden sind und trotzdem noch standardmäßig die Höhe des Waschbeckens 85 cm beträgt. Wir müssen viel mehr auf den Kunden eingehen.

Der Kunde geht oft zum Installateur, um sein Bad planen zu lassen. Häufig weiß der Installateur jedoch zu wenig über Kalt/Warm-Kontraste, Materialoberflächen oder kulturelle Anforderungen, usw. Meiner Ansicht nach müsste in diesem Bereich eine neue Ausbildungsform geschaffen werden.

Trendbad24: Betrifft das auch Bereiche wie etwa das Licht im Bad? Auch hier muss man sich ja auskennen, um auf Kundenwünsche und Trends eingehen zu können.

Zu erst einmal dazu kurz erwähnt: Lichtdesign kann man erst seit kurzem studieren. Es ist jedoch sehr wichtig, sich mit solchen Aufgaben auszukennen. Man muss erst einmal begreifen, wie es sich mit der Widerspiegelung von zurückgeworfenem Licht verhält. Schwarze Oberflächen reagieren auf Licht ganz anders als weiße, LED hat eine andere Farbwiedergabe als Halogenleuchten. Mit den richtigen Lichteffekten kann man auch einen kleinen Raum optisch in die Größe ziehen. Ich habe mir diese Facetten autodidaktisch erarbeitet, da ich die Bedeutung von Licht erkannt habe und natürlich weil ich Spaß daran habe.

Um die neusten Entwicklungen im Bereich Beleuchtung nicht zu verpassen, werde ich in den kommenden Monaten wieder alle wichtigen Messen in Europa besuchen. Was aktuelle Trends für die Beleuchtung im Bad angeht, ist der RGB- Farbraum zurzeit stark im Fokus, das heißt alle Farbspektren mit einzubeziehen mit Lichtvouten, Lichtdecken, emotionalem Stimmungslicht (play of brilliance), Lichtfarben, Lichtstärken und Lichtszenarien mit den dazugehörigen Steuerungsmöglichkeiten bis hin zum Smart Home. Da geht es dann um die Frage: Kann ich im eigenen Badezimmer einen Sonnenaufgang erleben?

Torsten Müller Bad 02

Trendbad24: Nachdem wir nun schon einiges über Ihre Einstellung zum Design des Badezimmers kennengelernt haben, fassen Sie doch bitte noch einmal zusammen: Was macht für Sie das perfekte Bad aus?

Das Bad sollte eine Quelle sein, die spirituelle Kraft ausstrahlt. Für jeden meiner Kunden möchte ich sein „Private Spa“ kreieren. Das muss nicht unbedingt ein Luxustempel sein, aber für den, für den ich es speziell abgestimmt habe, ist es sein persönlicher Luxustempel: er hat den Raum, der seine Sinne beschwingt. Zu Bedenken gibt es dabei für mich: Es gibt mehr als unsere fünf Sinne, jedoch kommen wir durch den oft hektischen Alltag kaum zu uns selbst. Ist das Bad ein Ort zum Aufladen und zum Ruhe erleben, dann ist das schon einmal ein Beginn.

Torsten Müller Interior Design

Torsten Müller ist renommierter Bad/SPA- und Raum-Designer von z. B. Penthäusern, Key-Note Speaker, Kolumnist, TV-Experte und gefragter Berater internationaler Hersteller und Handwerksbetriebe, anerkannt als Trendsetter des wohnräumlichen Innendesigns. Bereits 2006 wurde Torsten Müller vom Magazin SCHÖNER WOHNEN als Top-Designer vorgestellt, inzwischen setzt er europaweit Maßstäbe in der Spa- und Raum-Architektur. Die Welt am Sonntag zählte ihn zu den Top 30 der deutschen Bad-Designer. 2011 nannte ihn die Frankfurter Rundschau den Designer unter den europäischen Top-Adressen der Ritualarchitektur. Ebenso als zukunftsweisend bezeichnete das Magazin DasBad seine Bad-Designs und Lichtkonzepte. In Bädern setzt der renommierte Designer auf Collagen und dreidimensionale Raumerlebnisse, die den Eindruck eines Aufenthalts in der Natur wecken. Richtig inszeniertes Licht- und Farbdesign vergrößern dabei die Raumdimension. Geprägt ist seine Innenarchitektur vom sogenannten Goldenen Schnitt, wodurch er das vertraute Schönheitsempfinden aus Kunst und Design in Einklang bringt.

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